Nicht auf Erholungskurs: Kabeljau in der Nordsee

WWF warnt: Verschwenderische Fischerei gefährdet Wiederaufbau des Bestandes

Foto: Wikipedia
Keine Entwarnung für den Kabeljau der Nordsee. Jüngste wissenschaftliche Daten zeigen zwar eine leichte Erholung des Bestandes, dennoch empfiehlt der Internationale Rat zur Erforschung der Meere (ICES), die Fangmengen im kommenden Jahr um 20 Prozent zu verringern, um den langfristigen Wiederaufbau nicht zu gefährden. Der WWF stellt dem Management der Kabeljau-Fischerei ein schlechtes Zeugnis aus: In den vergangenen Jahren sei es nicht gelungen, die systematische Verschwendung von Kabeljau durch Fischereipraktiken wirksam einzudämmen.

Immense Verschwendung von Fisch
Im Jahr 2009 wurden in der Nordsee fast 15.000 Tonnen Kabeljau zunächst gefangen und dann ungenutzt als Müll ins Meer zurückgeworfen. Der Grund für die Rückwürfe: Die Quoten der Fischer waren bereits ausgeschöpft oder die gefangenen Jungtiere zu klein, um sie zu vermarkten. „Diese immense Verschwendung von Fisch ist wirtschaftlicher und ökologischer Irrsinn – und er ist vermeidbar “, sagt Karoline Schacht, WWF Fischereiexpertin. „Selektive Fanggeräte müssen ab dem ersten Tag der Fangsaison Pflicht werden, damit der unnötige Raubbau auch am Nachwuchsjahrgang zurückgeschraubt wird.“ Bislang sind auf die eigentliche Zielart abgestimmte Fanggeräte erst vorgeschrieben, wenn bereits 90 Prozent der Kabeljauquoten eingefahren sind.

Düstere Zeiten auch für Heringsfischer
Auch den Heringsfischern in Nord- und Ostsee drohen düstere Zeiten. Eine Verringerung der Herings-Fangmenge um mehr als 30 Prozent für den Bestand der westlichen Ostsee scheint nach Berechnungen der Wissenschaftler erforderlich. Innerhalb von vier Jahren hat sich damit die erlaubte Fangmenge auf diesen zwischen Nord- und Ostsee hin und her wandernden Bestand halbiert.

Schonungsbedarf des Bestandes verfehlt
Entgegen den Empfehlungen der Wissenschaftler sind die Quoten in den letzten Jahren nur moderat gekürzt worden, damit wurde offensichtlich der Schonungsbedarf des Bestandes verfehlt“, sagt Karoline Schacht, Fischereiexpertin beim WWF. “Die Fischereipolitik muss ihren Kurs stärker an Forschungsergebnissen ausrichten.“

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