Der artgerechte Ostertisch

Hier im Wortlaut eine Stellungnahme der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen vom 29. März 2010:

„Die Berichte der Tierschutzorganisation ‚Vier Pfoten‘ und des ARD-Magazins ‚Report Mainz‘ sind alarmierend. Kaninchenfleisch kommt zum größten Teil aus tierquälerischer Haltung aus dem Ausland, aber auch aus Deutschland. Die Kaninchen vegetieren in viel zu engen, mehrstöckigen Drahtkäfigen dahin und ziehen sich gravierende Verletzungen zu. Der Bewegungsmangel führt zu Wirbelsäulenverkrümmungen und Gelenkverletzungen. Das Futter ist einzig und allein auf eine schnelle Gewichtszunahme ausgerichtet, der fehlende Raufutteranteil aus Heu führt zu Störungen im Magen-Darm-Trakt der Tiere.

Regierung bleibt untätig

Während die ersten Handelsunternehmen schon zwei Tage nach den schockierenden Medienberichten reagierten und Kaninchenfleisch auslisteten, hüllte sich die Bundesregierung eine Woche lang in Schweigen, um dann anzukündigen, einen verbesserten Schutz von Kaninchen prüfen zu wollen.

Obwohl die Missstände in der Kaninchenhaltung seit Jahren bekannt sind, gibt es weder auf nationaler noch auf europäischer Ebene gesetzliche Vorschriften für Haltung, Transport und Schlachtung von Kaninchen. De facto müssen die Betriebe zwar die grundlegenden Anforderungen des Tierschutzgesetzes einhalten, die vorschreiben, dass ein Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend gehalten werden muss. Doch ohne klare Umsetzungsvorgaben und strenge Kontrollen lässt sich dies in den Betrieben nicht durchsetzen.

Bundesagrarministerin Aigner hat ihre Tatenlosigkeit bislang damit gerechtfertigt, dass die Qualitätsgemeinschaft Kaninchen ein freiwilliges Gütesiegel erarbeitet hat. Videoaufzeichnungen aus diesem Jahr belegen aber, dass selbst in Mastanlagen, die dieses Siegel tragen, der Tierschutz mit Füßen getreten wird. An einer gesetzlichen Regelung führt kein Weg vorbei.

Grüne fordern Haltungsvorschriften

Seit Jahren fordern wir Grünen die Verabschiedung einer verbindlichen Haltungsverordnung für Zucht- und Mastkaninchen. Es liegen ausreichend Erkenntnisse über die Ansprüche von Kaninchen an ihre räumliche und soziale Umgebung vor, um Vorschriften zur artgerechten Haltung zu erlassen und so dem Tierschutzgedanken endlich in angemessener Form Rechnung zu tragen.

Zudem muss sich die Bundesregierung dafür einsetzen, dass auch auf europäischer Ebene Mindeststandards für die Haltung von Mastkaninchen beschlossen werden und ein verbindliches System zur Herkunftskennzeichnung für Kaninchen eingeführt wird.“

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