Vier Jahre nach der TGN1412 Arzneikatastrophe

Tierversuche versprachen Sicherheit, Medikamententester rangen mit dem Tod

Foto: Wikipedia
In diesen Tagen jährt sich das Schicksal sechs junger Männer zum vierten Mal. Sie wurden Opfer unerwünschter schwerer Nebenwirkungen des neuen Medikaments TGN1412, das zuvor aufgrund von Tierversuchen als sicher bezeichnet wurde. Die bundesweite Vereinigung Ärzte gege Tierversuche sieht die Gefährlichkeit des Systems Tierversuch bestätigt und fordert zu Gunsten des Menschen- und Tierschutzes eine rein tierversuchsfreie Forschung.

Unterschiedliche Reaktion bei Mensch und Tier
Die Würzburger Firma TeGenero wollte mit dem monoklonalen Antikörper TGN1412 ein Allheilmittel gegen Erkrankungen wie Multiple Sklerose, rheumatische Arthritis und weitere Immunkrankheiten auf den Markt bringen. Tierversuche an Javaner- und Rhesusaffen, Kaninchen sowie Ratten ließen keine unerwünschten Nebenwirkungen vermuten. Die klinische Studie an sechs Probanden jedoch war lebensbedrohlich, und noch heute leiden sie an bleibenden Schäden. Ein Mann verlor einige Finger und Zehen. Bei den Testpersonen hatte der Wirkstoff anstatt eine Hemmung des Immunsystems zu bewirken, eine überschießende Immunreaktion ausgelöst, die in Folge zu multiplem Organversagen führte.

Lange Kette fataler Folgen des Tierversuchs
Der Verein Ärzte gegen Tierversuche sieht dies als Beleg für die Untauglichkeit der Forschung am Tier. »Diese Arzneimittelkatastrophe ist nur ein Glied in einer langen Kette fataler Folgen des Tierversuchs«, meint Diplombiologin Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärzte gegen Tierversuche. Allein in Deutschland würden jedes Jahr rund 60.000 Menschen an unerwünschten Wirkungen von zuvor ausgiebig an Tieren getesteten Arzneimitteln sterben. »Die Übertragung der Ergebnisse aus dem Tierversuch auf den Menschen führt immer wieder zu gravierenden Fehleinschätzungen, da Tier und Mensch sich unter anderem in Stoffwechsel und Körperbau unterscheiden«, erläutert Bitz. Sie nennt als Beispiel Penicillin, das für Menschen lebensrettend sein kann, für Meerschweinchen dagegen schädlich ist. Die Ärztevereinigung verweist darüber hinaus auf ihre Liste von Risikomedikamenten*, die eine Auswahl der zahlreichen Medikamente enthält, die aufgrund schädlicher Wirkungen wieder vom Markt genommen wurden.

*Liste von Risikomedikamenten

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