Neue EU-Tierversuchsrichtlinie: weitere Verschlechterungen drohen

Die EU überarbeitet zurzeit die Tierversuchsrichtlinie. Das Schicksal von jährlich mindestens 12 Millionen Tieren steht auf dem Spiel.

Im Mai 2009 hatte sich das Europäische Parlament in 1. Lesung für wesentliche Verschlechterungen des zuvor von der EU-Kommission vorgelegten Entwurfs ausgesprochen. Jetzt droht weiteres Unheil. Denn: Am kommenden Dienstag (24.11.09) finden die letzten Trialoggespräche zwischen der Europäischen Kommission, dem EU-Ministerrat und dem Europäischen Parlament statt mit dem Ziel, einen Kompromisstext für die neuen Regelungen zum Schutz der Versuchstiere zu finden.

Keine Verpflichtung zur Anwendung tierversuchsfreier Methoden

Einer Pressemitteilung des Deutschen Tierschutzbundes ist nun zu entnehmen, dass nach jetzigem Stand in der Europäischen Union offenbar angestrebt wird, dass verfügbare tierversuchsfreie Methoden gar nicht unbedingt anstelle von Tierversuchen verwendet werden müssen. Die Rede ist lt. Tierschutzbund auch davon, dass solche Methoden überhaupt nur dann berücksichtigt werden müssen, wenn sie behördlich anerkannt sind – eine untragbar hohe Hürde, die darüber hinaus für viele Bereiche, in denen Tierversuche durchgeführt werden, gar keinen Sinn macht. Hiermit würde ein in Deutschland und anderen Ländern seit Jahren bestehender Konsens aufgekündigt, dass grundsätzlich verfügbare Alternativmethoden auch verpflichtend angewendet werden müssen.

In der Pressemitteilung des Deutschen Tierschutzbundes heißt es wörtlich:

„Der Schutz der Versuchstiere in Deutschland darf sich durch die neue EU-Richtlinie nicht verschlechtern. Eine Forschung, ohne dass Tiere dafür leiden und sterben müssen, sollte das Ziel unserer Gesellschaft sein“, mahnt Brigitte Rusche, Vizepräsidentin des Deutschen Tierschutzbundes.

„Besonders Besorgnis erregend ist, dass im Laufe des Verhandlungsprozesses die Regelungen zum Schutz der Versuchstiere immer lascher werden. Es wäre eine Katastrophe, wenn Deutschland durch die neu gefasste Versuchstierrichtlinie gezwungen werden könnte, seine jahrzehntelangen Tierschutzstandards, die aus unserer Sicht schon erheblich zu lasch sind, noch weiter aufzuweichen. Bei den anstehenden Gesprächen am Dienstag muss endlich auch wieder der Schutz der Tiere in den Vordergrund gerückt werden. Es müssen Rechtsvorgaben formuliert werden, die Tierversuchen endlich wirksame Grenzen setzen“.

Initiativ werden: Postkartenaktion der Ärzte gegen Tierversuche

Bei den „Ärzten gegen Tierversuche“ geht man davon aus, dass der EU-Ministerrat voraussichtlich am 14. oder 15. Dezember 2009 über die neue EU-Tierversuchsrichtlinie abstimmen wird. Danach ist erneut das Votum des EU-Parlaments gefragt.

Die Ärztevereinigung ruft zu einer Postkartenaktion an die EU-Parlamentarier auf, an der sich hoffentlich viele Bürgerinnen und Bürger im Interesse künftiger Versuchstiere beteiligen. Nähere Informationen gibt es hier.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s